ON MY WAY

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ON MY WAY ist eine neue Kategorie über die Reise sowie über das Leben als Reisender. Ich will davon erzählen, was es bedeutet so lange unterwegs zu sein, wie schwer es ist, die unsichtbare Grenze zwischen zwei Menschen zu übertreten und was ich aus den Gesprächen mit fremden Menschen mitnehmen konnte.

 

ABOUT ON MY WAY

In Neuseeland und gleichzeitig bei der Halbzeit meiner Reise angelangt, ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen, etwas von meiner Reise bzw. auch von mir selbst zu erzählen. Ich habe mich bis dato in diesem Projekt außen vor gelassen, da es mir wichtig war, mich in diesem Projekt nicht selbst zu portraitieren, sondern die Geschichten anderer Menschen in den Vordergrund zu stellen.

 

Das Resultat dieser Bestrebung war aber, dass ich nun in dem Projekt so gut wie nicht existent bin, was teilweise zu Verwirrungen geführt hat. Was alle Geschichten, die in den Interviews erzählt werden aber verbindet, sind eben die Reise und ich. Um diese Verbindung herzustellen und Hintergrundinformationen zu liefern, habe ich nun die Kategorie ON MY WAY eingeführt, in der ich darüber berichten will, was es heißt, so lange unterwegs zu sein, wie schwer es ist, die Grenze zwischen zwei Menschen zu überwinden und was man lernen kann, wenn man mit nahezu Fremden Gespräche über das Leben führt.

SO THIS IS MY STORY

Ursprünglich habe ich das Projekt gestartet, um einige Antworten zu bekommen. Ich habe mir selbst die Fragen gestellt, die aufkommen, wenn man am Ende seines Studiums angelangt ist und der Zeitpunkt gekommen ist, sich im Leben zu positionieren. Was ich mich eigentlich gefragt habe ist, welche Komponenten man braucht, um glücklich zu sein. Ich habe dieses Projekt gestartet um andere zu fragen, wo sie sind, warum sie da sind, bzw. was sie dazu geführt hat und auch welche Argumente sie für ihren derzeitige Status quo finden.

 

Das Spannende ist, dass ich die Antwort darauf schon nach dem ersten Monat in Südafrika bekommen habe. Weit weg von Zuhause, ständig von einem Ort zum nächsten reisend, mein halbes Leben im Rucksack mit mir rumschleppend, wurde mir schnell klar, was fehlt. Einerseits ist es zwar wichtig, eine Arbeit zu haben, mit der ich mich hundertprozentig identifizieren kann, auch wenn es vielleicht zu Beginn nicht so einfach ist davon zu leben. Anderseits muss ich meine Erlebnisse aber teilen können, abseits von virtuellen Netzwerken und Reisebekanntschaften.

 

Und eben das kann ich in meinem kleinen Büro in Graz mit den besten Freunden, die man sich wünschen kann, statt einer Karriere im großen New York. Vielleicht ist es genau das, was mich glücklich macht, weil ich herausgefunden habe, dass mein soziales Umfeld mir mehr geben kann als die ganze Welt zu bieten hat.

THE INVISIBLE BORDER

Zu Beginn des Projektes habe ich mir bloß Gedanken darüber gemacht, wie ich meine Interviewpartner finden werde. Erst später wurde mir bewusst, dass die Herausforderung darin bestehen könnte, den Kontakt zu ihnen herzustellen, bzw. sie um ein Interview zu bitten. Irgendwie habe ich mich mit dem ganzen Projekt in eine Situation hineinmanövriert, in der ich gar keine andere Wahl habe, als auf fremde Menschen zuzugehen, mich vorzustellen und sie zu fragen, ob sie mir nicht ihre Lebensgeschichte erzählen wollen.

 

Zu Beginn beobachte ich jemanden, der am richtigen Ort zu sein scheint. Jedes Mal spielt sich die gleiche Überlegung in meinem Kopf ab: Wenn ich die unsichtbare Grenze, die zwischen uns ist, jetzt nicht überschreite, wird niemand es merken. Jedesmal die Angst im Hinterkopf, abgelehnt zu werden. Erstaunlicher Weise habe ich bis jetzt die Erfahrung gemacht, dass es sich immer lohnt. Kein einziges Mal hat jemand abwehrend reagiert, im Gegenteil, die Leute neigen dazu, sich in dem Moment zu öffnen.

 

Von einem Moment auf den nächsten, verändert sich ein distanziertes Gesicht in ein warmherziges Lächeln. Also lohnt es sich auf Menschen zuzugehen. Das Schönste an den Interviews ist, dass ich nach den Interviews nicht nur die unsichtbare Wand erfolgreich aufgelöst habe, sondern dass ich stattdessen eine Verbindung zu dieser Person hergestellt habe. Ich profitiere auf jeden Fall außerordentlich davon, nicht nur durch spannende Gesprächen, vielmehr noch in zwischenmenschlicher Hinsicht.

KEEP GOING

Neben gefühlten 10kg Equipment habe ich auch Literatur mit auf meine Reise genommen. Unter anderem das Buch „Traumpfade“ von Bruce Chatwin, welches mich sehr gut auf die Kultur Australiens vorbereitet hat, die derzeit leider gerade dabei ist, sich stückweise aufzulösen. Der Großteil des Buches besteht aus Notizen und Gedanken, die sich um die Rastlosigkeit drehen. Er meint, dass der Mensch ständig in Bewegung sein soll, so wie es unser Ursprung als Nomadenvolk war. Auch die Natur lebt es uns vor, der Himmel dreht sich, die Sonne geht auf, der Mond nimmt zu.

 

Nach drei Monaten in Bewegung kann ich festhalten: Ich habe in insgesamt 46 verschiedenen Betten geschlafen, inklusive Busbänke, Flugsitze, Nachtzüge und Campervans. Dass diese meilenweit auseinander liegen, brauche ich wahrscheinlich gar nicht erwähnen. Was entstanden ist, sind gemischte Gefühle. Einerseits muss ich ihm Recht geben, umso länger wir uns an einem Ort befanden, desto unrunder wurde ich. Andererseits kam nicht der Drang auf, weiterhin in Bewegung zu sein, sondern eher das Gefühl von Heimweh.

 

Ich glaube, niemand bestreitet, dass fester Wohnort Geborgenheit bedeutet. Trotzdem bin ich der Meinung, dass durch das ständige Unterwegs-Sein, die Sinne geschärft werden und man irgendwie aufnahmebereiter für sein Umfeld ist. Auf der Reise habe ich wirklich viel gelernt. Vielleicht durch die Gespräche, aber ich werde die Vermutung nicht los, dass auch der ständige Ortswechsel dazu beigetragen hat. Natürlich könnte ich mir ein Leben als Nomade nicht vorstellen. Was ich aber übernehmen kann ist, dass ich mich einfach in Bewegung setzen sollte, wenn ich das Gefühl habe, stehenzubleiben.

HOW TO SAY GOODBYE

Schon während der Reise ist mir der Gedanke gekommen, dass ich keine Ahnung habe, wie ich dieses Projekt jemals beenden soll. In dieser Welt warten so viele Geschichten darauf, erzählt zu werden. An meinem letzten Abend bei einem gemeinsamen Essen, erzählten unsere Gastgeber uns erst die Geschichte über Bushwick, dem Bezirk, in dem wir wohnten. Wie es sich in den letzten Jahren verändert hat und welche Folgen das für die ursprüngliche Bevölkerung hier hat. Zuerst kam der übliche Gedanke in mir auf, dass ich darüber noch ein Interview führen muss. Danach wurde mir bewusst, dass es mein letzter Abend ist und dass ich irgendwann damit aufhören muss, alles festhalten zu wollen. Irgendwie muss mein normales Leben wieder weiter gehen, in dem ich Dinge nur für mich erfahre, um daraus zu lernen.

 

Die Reise hat mir unglaublich schöne Momente beschert und ich habe Erinnerungen und Verbindungen zu Menschen, die ich mir nie erwartet hätte. Geändert hat sich wahrscheinlich nur mein Gesichtspunkt und nicht wirklich mein Umfeld. Wenn ich etwas mitnehmen kann, dann ist es versuchen aus meinen üblichen Denkmustern und Vorurteilen auszubrechen und vor allem eines zu tun: nämlich zuzuhören. Es muss nicht jedes Mal ein Interview oder eine besondere Geschichte aus einem Gespräch entstehen, aber es ist zumindest schon mal ein anderer Zugang, wenn man freundlich ist und jeder Person, mögen sich die Wege noch so abwegig kreuzen, eine Chance zu geben, einen kennenzulernen. Vor der Reise war ich der Meinung, schon etwas von der Welt gesehen zu haben. Im Nachhinein fühle ich mich so, als hätte ich eigentlich keine Ahnung, was sich da draußen noch alles abspielt, wie viele spannende Dinge darauf warten erkundet zu werden. Wahrscheinlich ist meine Welt einfach nur ein wenig größer geworden.

 

 

 

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